
Barbara Röser: „Statt unausgereifter Strukturdebatten braucht es frühzeitige Beratung, realistische Einschätzung und klare Rückendeckung für Lehrkräfte“
Für die ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer ist klar: Eine Ausweitung der Volksschule auf sechs Jahre ist keine durchdachte Lösung, sondern ein bildungspolitischer Schnellschuss. Wer den Übertrittsdruck ernst nimmt, darf nicht mit unausgereiften Forderungen antworten, sondern muss dort ansetzen, wo Kinder, Eltern und Lehrkräfte im Schulalltag tatsächlich Unterstützung brauchen.
„Wer jetzt reflexartig die sechsjährige Volksschule fordert, springt als Trittbrettfahrer auf ein sensibles Thema auf, ohne die praktischen Folgen ernsthaft mitzudenken“, betont ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer-Obfrau Barbara Röser. „Der Übertritt in eine weiterführende Schule ist für viele Familien eine herausfordernde Phase. Aber die Antwort darauf kann nicht sein, bestehende Strukturen ohne tragfähiges Konzept einfach um zwei Jahre zu verlängern.“
Aus Sicht der ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer ist eine sechsjährige Volksschule weder infrastrukturell realistisch noch pädagogisch ausreichend durchdacht. Viele Volksschulstandorte seien bereits heute räumlich stark ausgelastet. Zusätzliche Jahrgänge würden neue Klassenräume, Fachräume, ganztägige Strukturen, Personalressourcen und organisatorische Lösungen erfordern.
„Zu glauben, man könne zwei zusätzliche Schulstufen einfach in die bestehenden Volksschulen integrieren, ist fern der Realität. Das ist infrastrukturell kaum möglich und schon gar nicht seriös vorbereitet“, so Röser. „Solche Vorschläge klingen auf den ersten Blick einfach, lösen aber kein einziges konkretes Problem im Klassenzimmer.“
Der richtige Ansatz liege vielmehr in einer besseren und früheren Kommunikation zwischen Schule, Eltern und Kindern. Positiv sei, wenn bereits frühzeitig Orientierungsgespräche stattfinden und Eltern ein realistisches Bild über Stärken, Interessen und mögliche Herausforderungen ihres Kindes erhalten. „Gute Beratung beginnt nicht erst mit dem Semesterzeugnis in der vierten Klasse. Je früher Schule und Eltern miteinander im Austausch sind, desto weniger Überraschungen und Enttäuschungen gibt es am Ende“, erklärt Röser.
Ebenso wichtig sei eine realistische Einschätzung der Kinder. „Kinder brauchen Eltern, die sie unterstützen, aber nicht überfordern. Eine ehrliche Einschätzung ist kein Nachteil, sondern die beste Grundlage für einen guten Bildungsweg. Nicht jedes Kind muss denselben Weg gehen, um erfolgreich zu sein“, hält Röser fest.
Scharf zurückgewiesen wird von den ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrern der zunehmende Druck auf Lehrkräfte bei Leistungsbeurteilungen. Noten seien keine Verhandlungssache und dürften nicht durch Drohungen oder massiven Druck beeinflusst werden.
„Lehrerinnen und Lehrer beurteilen Leistungen fair, transparent und professionell. Wer diese Arbeit ständig unter Druck setzt, belastet nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch die Kinder“, betont Röser. Gerade deshalb brauche es mehr Vertrauen in die pädagogische Arbeit und klare Rückendeckung für Lehrerinnen und Lehrer.
Für Röser ist klar: „Es braucht keine ideologisch motivierte Strukturdebatte, sondern konkrete Verbesserungen im bestehenden System. Frühzeitige Beratung, gute Elternarbeit, klare Informationen über Bildungswege und Unterstützung für Lehrkräfte bringen den Kindern mehr als unausgereifte Experimente mit der Volksschule.“
Abschließend betont die ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer-Obfrau: „Vorarlberg hat starke Volksschulen, starke Mittelschulen, starke Gymnasien und eine starke duale Ausbildung. Entscheidend ist, dass jedes Kind den Weg findet, der zu seinen Fähigkeiten und Interessen passt. Dafür brauchen wir Ehrlichkeit, Vertrauen und gute Zusammenarbeit.“
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Nähere Informationen bei: Obfrau Barbara Röser Tel. 0680 1442389






