ÖAAB Vorarlberg/JVP Vorarlberg: Pensionssystem braucht ehrliche Debatten und mutige Weiterentwicklung

Kamingespräch mit AK-Präsident Bernhard Heinzle und IV-Geschäftsführer Simon Kampl in Dornbirn – Marte und Bitsche: „Wegschauen ist keine Pensionspolitik.“

Wie nachhaltig ist unser Pensionssystem? Diese Frage stand im Mittelpunkt des gestrigen Kamingesprächs des ÖAAB Vorarlberg gemeinsam mit der JVP Vorarlberg in der Postgarage Arena in Dornbirn. Mit Arbeiterkammer-Präsident Bernhard Heinzle und Industriellenvereinigung-Geschäftsführer Simon Kampl diskutierten zwei zentrale Stimmen aus Arbeitnehmervertretung und Wirtschaft über demografische Entwicklungen, steigende Kosten und notwendige Reformschritte.

Für ÖAAB-Landesobfrau Veronika Marte ist klar: „Unser Pensionssystem ist ein Versprechen an die Menschen. Aber dieses Versprechen hält nur, wenn wir es rechtzeitig absichern. Wegschauen ist keine Pensionspolitik.“ Die Diskussion habe gezeigt, dass es nicht um Panikmache gehe, sondern um Verantwortung: „Wer sichere Pensionen will, muss heute ehrlich über die Realität sprechen.“

Ein zentraler Hebel ist für den ÖAAB der weitere Ausbau der betrieblichen Pensionsvorsorge im Rahmen der Abfertigung Neu. Der Bund habe hier bereits einen wichtigen ersten Schritt gesetzt, nun müssten weitere Maßnahmen folgen. „Die betriebliche Vorsorge darf kein Nebenschauplatz bleiben. Sie muss zu einer starken zweiten Säule werden“, betont Marte. Gleichzeitig müsse verhindert werden, dass ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als Erste gehen müssen und danach kaum mehr eine Chance am Arbeitsmarkt bekommen. „Erfahrung darf nicht zur Entlassungsbegründung werden. Wer ältere Beschäftigte aus dem Arbeitsmarkt drängt, schiebt sie oft direkt in die Frühpension“, so Marte.

JVP-Landesobmann Julian Bitsche rückte die junge Generation in den Mittelpunkt: „Ein nachhaltiges Pensionssystem braucht auch junge Menschen, die arbeiten, leisten und sich etwas aufbauen können. Wenn Leistung sich nicht mehr lohnt, fehlt am Ende auch die Grundlage für unser Sozialsystem.“ Es brauche daher faire Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Stärke und mehr Vertrauen in Eigenverantwortung.

Auch die private Altersvorsorge müsse attraktiver werden. Dazu zählt für Bitsche eine Behaltefrist zur Befreiung von der KESt für bestimmte Wertpapiere, wenn sie der Altersvorsorge dienen: „Wer langfristig vorsorgt, darf steuerlich nicht bestraft werden. Vorsorge braucht Rückenwind statt Gegenwind“, so Bitsche. Ebenso brauche es deutlich mehr Finanzbildung in den Schulen: „Finanzbildung ist kein Luxusfach. Sie ist Lebenskompetenz.“

Abschließend halten Marte und Bitsche fest: „Das Pensionssystem ist zu wichtig für Denkverbote. Wir brauchen eine ehrliche Debatte, starke betriebliche Vorsorge, bessere Chancen für ältere Beschäftigte und mehr Möglichkeiten für junge Menschen, selbst vorzusorgen.“

Foto: ÖAAB Vorarlberg

Mehr Infos bei:

ÖAAB-Landesobfrau Veronika Marte Tel. 0664 4329931

JVP-Landesobmann Julian Bitsche Tel. 0676 7029343

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert