Planbarkeit, Publikum, Freiheit: Bundesrat Thoma prüft Kulturpolitik vor Ort

VP-Bundesrat Christoph Thoma besucht Architekturzentrum Wien, DSCHUNGEL WIEN und Theater am Werk:

„Ob Kulturpolitik trägt, entscheidet sich auf der Bühne, nicht im Ausschuss.“

Am 23. Oktober hat Bundesrat Christoph Thoma den Bundesratssaal gegen drei Wiener Kulturhäuser getauscht. Er führte Gespräche im Architekturzentrum Wien mit der Vorarlberger Direktorin Angelika Fitz, beim DSCHUNGEL WIEN, dem Theaterhaus für junges Publikum mit Intendantin Anna Horn und Geschäftsführerin Alexandra Hutter sowie im Theater am Werk mit den Geschäftsführerinnem Esther Holland-Merten und Geschäftsführerin Alexandra Jachim. Über allen drei Besuchen stand dieselbe Frage: Was brauchen Kulturinstitutionen jetzt konkret?

„Papier ist geduldig. Unsere kulturpolitische Positionierung braucht auf drei Säulen: Planbarkeit, Teilhabe und Freiheit. Ob sie trägt, entscheidet sich nicht im Ausschuss, sondern auf der Bühne, im Depot und an der Kassa“, sagt Thoma. Er kennt diese Welt aus der Praxis, vom Kulturamt der Stadt Bludenz bis zu den Grazer Spielstätten: „Ich weiß, wie viel zwischen einer Förderrichtlinie und einem vollen Saal liegt.“

Drei Häuser, drei Perspektiven

Das Architekturzentrum Wien ist Österreichs einziges Architekturmuseum. Seine Direktorin Angelika Fitz stammt aus Hohenems. Seit 1993 stellt das Haus Fragen, die weit über Fassaden hinausgehen. Es geht darum, wie gerecht Raum verteilt ist, wie wir zusammenleben wollen und wie wir mit endlichen Ressourcen umgehen. Hinter dem Museum stehen über 100 Vor- und Nachlässe österreichischer Architekt:innen und eine Präsenzbibliothek mit mehr als 70.000 Bänden. Unter diesen Beständen sind auch jene der Vorarlberger Baukünstler Rudolf Wäger und Hans Purin. „Hier lagert ein Stück Vorarlberger Baukultur. Das ist kulturelles Gedächtnis und Infrastruktur, die dauerhaft gesichert sein muss. Architektur ist die Kunstform, der niemand ausweichen kann“, so Thoma.

Der DSCHUNGEL WIEN zeigt, wie Teilhabe in Zahlen aussieht. Das Haus hat rund 45.000 Besucher:innen pro Jahr, davon etwa 25.000 Kindergarten-, Hort- und Schulkinder. Fast 40 Prozent des Programms funktionieren sprachübergreifend. „Wer als Kind ein Theater betritt, kommt als Erwachsener wieder. Das ist keine Sozialpolitik mit anderen Mitteln, sondern Kulturpolitik im Kern“, sagt Thoma.

Das Theater am Werk bespielt seit 2023 zwei Orte. Der eine ist der historische Keller am Petersplatz. Der andere ist das Kabelwerk in Meidling, wo Kultur von Anfang an Teil der Stadtentwicklung war. „Beide Orte zeigen, was die freie Szene braucht: Räume, die bleiben, auch wenn Namen und Leitungen wechseln.“

Für Thoma bündeln sich die drei Gespräche in drei Forderungen.

Planbarkeit statt Jahr-für-Jahr-Denken. Koproduktionen, Gastspiele und Verträge mit Künstler:innen brauchen Vorlauf. „Mehrjährige Förderzusagen schaffen Verlässlichkeit. Das kennt jedes Unternehmen: Wer investieren soll, braucht einen Horizont.“

Teilhabe von Anfang an. Kulturelle Bildung beginnt im Kindergarten und endet nicht an der Universität. „Häuser wie DSCHUNGEL WIEN bauen das Publikum von morgen auf. Wer hier investiert, investiert in die Zukunft unserer Kultur.“

Freiheit ohne Bedingungen. „Der Staat fördert Kunst. Er schreibt ihr nicht vor, was sie zu sagen hat. Kunst darf irritieren, widersprechen, unbequem sein. Wer Förderung an Gesinnung knüpft, hat Kultur nicht verstanden.“ Die Freiheit der Kunst braucht dafür Strukturen, die sie schützen. Dazu zählen unabhängige Jurys und Beiräte, Fachkommissionen bei Leitungsbestellungen und ein klares Nein zu jedem Bekenntniszwang.

„Kulturpolitik, die an der Praxis vorbeigeht, schadet der Kultur mehr, als sie nützt“, schließt Thoma.

Foto/Postai: Christoph Thoma im Dialog mit Theater am Werk in Wien

Nähere Informationen bei: BR Christoph Thoma Tel. 0664/2694427

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert