Röser und Obwegeser: „So viel Inklusion wie möglich, so viele sonderpädagogische Angebote wie notwendig“
Die ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer Vorarlberg bekennen sich weiterhin klar zum Erhalt bewährter Sonderschulen. Inklusion sei ein wichtiges Ziel, dürfe aber nicht zum Selbstzweck werden. Entscheidend müsse immer sein, wo ein Kind entsprechend seinen Fähigkeiten, seinem Lerntempo und seinen individuellen Bedürfnissen bestmöglich gefördert werden könne.
„Nicht jedes Kind kann in jeder Situation in einer Regelschulklasse bestmöglich gefördert werden. Diese pädagogische Realität dürfen wir nicht ausblenden. Unser Grundsatz lautet deshalb: so viel Inklusion wie möglich, so viele sonderpädagogische Angebote wie notwendig“, betont die Obfrau der ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer Vorarlberg, Barbara Röser.
Inklusive Modelle seien dort sinnvoll und bereichernd, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Dazu brauche es ausreichend qualifiziertes Personal, multiprofessionelle Teams, geeignete Räumlichkeiten und genügend Zeit für eine individuelle Begleitung. Fehlen diese Rahmenbedingungen, könne Inklusion sowohl die betroffenen Kinder als auch Lehrpersonen und Mitschülerinnen und Mitschüler überfordern.
„Eine gemeinsame Beschulung ist nicht automatisch die beste Lösung für jedes Kind. Manche Kinder benötigen einen besonders geschützten Rahmen, kleine Gruppen, spezialisierte Pädagoginnen und Pädagogen sowie verlässliche Strukturen. Genau das bieten unsere Sonderschulen“, erklärt Obfrau-Stellvertreter Stephan Obwegeser. „Diese bewährten Einrichtungen pauschal infrage zu stellen, würde den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht.“
„Wir teilen das Ziel, allen Kindern echte Teilhabe und faire Bildungschancen zu ermöglichen. Der richtige Weg dorthin besteht aber nicht darin, funktionierende Strukturen abzubauen“, stellt Röser klar. „Es geht nicht um ein Entweder-oder zwischen Inklusion und Sonderschule. Wir brauchen unterschiedliche und durchlässige Angebote, weil auch die Bedürfnisse der Kinder unterschiedlich sind.“
Die ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer fordern daher, die bestehenden sonderpädagogischen Strukturen zu erhalten, qualitativ weiterzuentwickeln und ausreichend personell auszustatten. Gleichzeitig sollen inklusive Angebote dort gestärkt werden, wo sie pädagogisch sinnvoll sind und die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden können.
„Bildungspolitik muss sich am Wohl des einzelnen Kindes orientieren und nicht an starren Vorgaben oder ideologischen Vorstellungen“, unterstreicht Obwegeser abschließend. „Bewährte Sonderschulen und gute inklusive Angebote schließen einander nicht aus. Gemeinsam ermöglichen sie eine Förderung, die den Kindern tatsächlich gerecht wird.“
Fotos: ÖAAB Vorarlberg
Mehr Informationen bei:
Obfrau Barbara Röser Tel. 0680 1442389
Stephan Obwegeser Tel. 0660 6523357






